Computerspiel schreibt Geschichte

Geschichtsworkshop mit Napoleon und dem PC-Spiel Total War am Oberhausener Elsa- Brändström-Gymnasium

10.03.10

München / Oberhausen / Marbach am Neckar - Lernt der Mensch aus der Geschichte? Darüber streiten die Gelehrten. Kann der Mensch aus Computerspielen etwas über die Geschichte lernen? Dieser weiterführenden Frage gingen jetzt zwei Lehrer des Elsa-Brändström-Gymnasiums in Oberhausen nach – in einem ungewöhnlichen Experiment.

Auf Initiative des Lehrers Marco Fileccia, der auch die ständige „Spieletester-AG“ der Schule betreut, ließ Geschichtslehrerein Marisa Hohnstein ihre Schüler der Klasse 9 in die Rollen Napoleon Bonapartes und seiner Gegner schlüpfen. In einem Geschichtsworkshop der etwas anderen Art sollten sie mit Hilfe des Echtzeit-Strategiespiels Napoleon: Total War erkunden, wie es vor 200 Jahren eigentlich gewesen ist und ob ein PC-Spiel als Informationsquelle auch reales Geschichtswissen vermitteln kann.

„Selbst die Entscheidungen treffen zu müssen, vor denen Napoleon oder Wellington damals gestanden haben, ist etwas ganz anderes als nur darüber zu lesen,“ meint Marisa Hohnstein. Napoleon: Total War bietet sich für solch eine anschauliche Unterrichtserfahrung geradezu an. Die Schüler können in dem Spiel Aufstieg und Fall des Kaisers der Franzosen in drei großen Kampagnen höchst realitätsnah nacherleben. Sie führen seine Truppen zunächst nach Italien und Ägypten, marschieren dann mit der Grande Armee nach Moskau und müssen sich bei Waterloo der Entscheidungsschlacht gegen die Briten und Preußen stellen.

Das Spiel gibt die napoleonische Ära nicht nur äußerlich absolut realistisch wieder, wenn es etwa um die Uniformen und die Bewaffnung der Truppen geht. In Napoleon: Total War treten auch – bis in die Nebenrollen – zahlreiche historische Persönlichkeiten auf, die von ihren Charaktereigenschaften und Entscheidungen her genau so handeln, wie sie es tatsächlich getan haben.

„Jede Kampagne beginnt vor ihrem wahren historischen Hintergrund“, erklärt Florian Ziegler von The Creative Assembly, dem Entwicklerstudio des Strategiespiels. „Die Positionen der Armeen, die besetzten Gebiete, die diplomatischen Beziehungen etc. entsprechen exakt der tatsächlichen, historischen Ausgangssituationen.“ In diesem Rahmen müssen die Spieler nun ihre Truppen aufstellen, für stetigen Nachschub sorgen, Schiffe bauen, die Steuern erhöhen oder senken und all das tun, was Napoleon und seine Gegner zwischen 1796 und 1815 ebenfalls tun mussten, um siegreich zu sein.

Die 14- bis 16-jährigen Teilnehmer des ganztägigen Geschichtsworkshops waren mit sichtlicher Begeisterung bei der Sache und präsentierten am Ende des Tages stolz, was sie alles über die napoleonische Ära gelernt hatten: nicht nur trockene Jahreszahlen, sondern auch Daten und Fakten über die handelnden Personen, Mächte und ihre Motive. „Die geschichtliche Epoche Napoleons einmal ganz anders zu erleben, hat richtig Spaß gemacht,“ sagte Helena, 14 Jahre. „Ich denke, dass ich viel gelernt habe und einige Daten und Fakten vielleicht besser behalten kann, als wenn ich sie nur in einem Buch gelesen hätte.“

Initiator Marco Fileccia sieht das Experiment ebenfalls als rundum gelungen an: „Ein Computerspiel wie Napoleon: Total War kann den Geschichtsunterricht natürlich nicht ersetzen, ihn aber enorm bereichern, weil es sehr stark motiviert. Es vermittelt den Schülern nicht nur wichtige Fakten über eine bestimmte Epoche, sondern macht sie neugierig, sich weiter mit den interessanten Fragen der Geschichte zu beschäftigen.“

Zu den spannendsten Fragen der historischen Forschung gehört auch immer das „Was wäre gewesen wenn ...?“. Mit Napoleon: Total War können die Spieler auch hierauf Antworten finden. „Ein Spiel, bei dem der Verlierer im Voraus feststeht, wäre ja langweilig“, so Florian Ziegler. „Deshalb haben wir den Spielern die Freiheit gelassen sich anders zu entscheiden, als die Akteure in der historischen Wirklichkeit. Napoleon könnte also schon 1797 in Italien besiegt werden oder die Schlacht von Waterloo 1815 gewinnen.“ Eine reizvolle Möglichkeit, die ebenfalls zu einem tieferen Geschichtsverständnis beiträgt, wie Marisa Hohnstein findet. „Die Schüler lernen daraus, dass nichts zwangsläufig geschieht, und dass es manchmal an Kleinigkeiten hängt, ob die Geschichte eine Richtung einschlägt oder eine ganz andere.“

Würde Napoleon heute als Geschichtslehrer wiedergeboren, würde er den Einsatz von Computerspielen im Unterricht sicher zustimmen. Einerseits, weil er selbst immer für überraschende Lösungen gut war – andererseits, weil er wusste: „Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft.“

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.totalwar.com/napoleon oder www.sega.de. Das Spiel können Sie hier mit einem Klick auch bei amazon.de mit einem Video sich anschauen und bei Gefallen auch bestellen.

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