Messe zu den Themen Teilleistungsschwächen, AD(H)S und Hochbegabung

Beratungsmesse in Roßdorf zu Lernproblemen in der Schule sehr gut besucht

03.10.07

Auf Elterninitiative fand im Kreis Dieburg wie Familienklick.de berichtete bereits die zweite Informationsveranstaltung innerhalb von zwölf Monaten statt, die sich mit den Teilleistungsschwächen (Legasthenie, Dyskalkulie), AD(H)S und der Hochbegabung beschäftigte.

Dieburg/Roßdorf - Mit rund 1.000 Besuchern – darunter sehr viele Lehrer – fand die Veranstaltung in der kooperativen Gesamtschule Roßdorf sehr großen Zuspruch und zeigte das unverändert vorhandene Informationsbedürfnis auf.

Zusammen gekommen sind fast 50 Einrichtungen mit etwa 80 Personen, die Ihre Beratungskompetenz von 16 bis 22 Uhr in Roßdorf zur Verfügung stellten. In der Einführungsveranstaltung in der Günther-Kreisel-Halle begrüßten der Schuldirektor Heinz Mainusch und die Roßdorfer Bürgermeisterin Christel Sprößler die Zuhörerschaft.

Die Autorin und Vorkämpferin der Legasthenie-Bewegung, Frau Mechthild Firnhaber lobte eingangs die Justin-Wagner-Schule als Vorreiter in der Förderung von legasthenen Schülern, schließlich habe sie schon vor etwa 15 Jahren einen Vortrag zu dieser Thematik gehalten. Sie trug vor, dass Sie und einige andere Mütter vor 36 Jahren den Kampf um schwer legasthene Kinder begonnen hätten. Nach vielen erreichten Fortschritten stünde man durch den Erlass zweier neuer Gesetze - die einen viel zu hohen und nicht zu leistenden Anspruch an die Pädagogen enthielten - heute nahezu wieder da, wo man vor 36 Jahren gestanden habe. Die aktuelle Gerichtsentscheidung, dass die Jugendämter die außerschulische Therapie nicht zu zahlen bräuchten, sei verheerend. Die Behauptung des Kultusministeriums, dass Schule in der Lage sei spezielle Förderung zu leisten, sei eine bewusste Irreführung. Frau Firnhaber klagte an, derzeit werde ein unglaublicher Konflikt auf dem Rücken unschuldiger Kinder ausgetragen. Diese Kinder hätten noch immer keine Chancen auf Gleichberechigung: „Das ist zutiefst ungerecht, ja unmenschlich“.

Im Anschluss an die Einführungsveranstaltung erfolgte ein Ansturm auf Vorträge und Workshops. Parallel dazu gab es an den einzelnen Infoständen für die Besucher die Möglichkeit, sich mehr Wissen abzuholen, wie eigenen bzw. anvertrauten betroffenen Kindern besser und richtig geholfen werden kann: Lerntherapeuten, Psychologen, Heilpraktikern, Logopäden, Ergotherapeuten, Neuropädagogen, Ärzten, Schul- und Jugendamtsmitarbeitern und eine Rechtsanwältin standen hierzu im persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Insgesamt wurden 18 Vorträge und 12 Workshops angeboten. Der Zuspruch war rege - überwiegend waren die Aula und die diversen Klassenräume überbelegt, und so mancher Besucher musste vertröstet werden. Es gelang den Organisatoren allerdings, einige Referenten zu einem zweiten Vortrag zu bewegen, um dem Besucheransturm gerecht werden zu können.

In ihrem Vortrag über das Würzburger Training ermutigte Frau Manuela Elster-Nordhäußer aus dem Legastheniezentrum Darmstadt die Kindergärten, diese sinnvolle und wichtige Vorbereitung auf das Lesen- und Schreibenlernen schon im Kindergarten einzuführen.

Frau Bickel, Rechtsanwältin mit einschlägiger Erfahrung im Schulrecht und Jugendhilferecht, hatte sich schon im Vorfeld bereit erklärt, einen zusätzlichen Vortrag „Die neue VOLRR: was Schule und Elternhaus wissen müssen“ speziell für Lehrer zu halten. In ihrem programmgemäß angekündigten zweiten Vortrag „Die neue VOLRR…“ nahm sie sich insgesamt zwei Stunden Zeit, den Eltern sowohl die Inhalte der neuen Verordnung, als auch die Fallstricke zu erläutern. Es blieb dabei ausreichend Zeit für persönliche Fragen.

Rückmeldungen von Besuchern zu den Vorträgen: „Frau Dr. Simchen stellte wunderbar die neurobiologischen Zusammenhänge bei ADS/ADHS dar“. Und zum Vortrag des Schulpsychologen des Staatlichen Schulamtes: „Nach dem Vortrag von Dr. Bäcker fühle ich mich über die neue Verordnung und deren schulrechtliche Umsetzung sehr gut informiert.“ Zum Vortrag von Frau Dietz „AD(H)S im Alltag – Lernen mit ADS-Kinder (aus Elternsicht)“: „Für Laien genial erklärt!“

Allgemein gelobt wurde die hervorragende Organisation, das attraktive Vortrags- und Workshop-Programm mit hochrangigen Referenten und nicht zuletzt der mittlerweile heiß begehrte und neuerlich erschienene „Messekatalog“ mit einer Kurzdarstellung aller anwesenden Referenten und Fachteilnehmer. Am Ende der Veranstaltung „qualmten“ Vielen die Köpfe ob der Flut an vielfältigen Eindrücken und Informationen.

Die „gelben Engel“ - Schüler einer neunten Klasse – waren schon bei den Vorbereitungen und auch bei der Veranstaltung selbst begehrte Helfer. Sie waren jederzeit bereit, den Fachteilnehmern und Besucher mit Rat und Tat weiterzuhelfen – eine Dienstleistung, die alle gern in Anspruch genommen haben. Ihre Hilfsbereitschaft und Engagement war bezeichnend für den freundlichen und positiven Geist, der in dieser Schule vorherrscht.

Es kam vielfach der Wunsch nach einer dritten Messe auf. Zumal diese Veranstaltung in ihrer Art und Weise einzigartig und bitter notwendig sei. Biete sie doch gerade eine Plattform für Elternhaus, Kindergarten, Schule, über Therapeuten, sonstige entwicklungs-unterstützende Institutionen bis hin zu den Ärzten, um durch Vernetzung eine optimale und hochqualifizierte Unterstützung Hand-in-Hand und fachübergreifend zu ermöglichen.

Die für die Organisation verantwortlichen Mütter freuten sich, dass nach der ersten erfolgreichen Veranstaltung in Dieburg nun auch in Roßdorf an der Justin-Wagner-Schule eine zweites Mal eine solche Plattform angeboten werden konnte, die großen Zuspruch fand. Sie verbinden mit dem ehrenamtlichen Engagement aller, dem der Organisatoren, der Referenten, der Messeaussteller, der Helfer und aller Sponsoren die Hoffnung – wenn auch nur regional - möglichst vielen betroffenen Kindern einen großen Schritt weiter geholfen zu haben. Verbunden ist dieser Wunsch mit einem Herzlichen Dankeschön an alle, die zu diesem grandiosen Erfolg der zweiten Messe beigetragen haben. „Es ist sehr beruhigend zu wissen, wir sind nicht die einzigen Idealisten …..“

Kerstin Haugrund

Weitere Informationen und Bilder von der Messe unter http://www.jws-rossdorf.de/





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