Beratungsmesse in Roßdorf zu Lernproblemen in der Schule

Politik, Lehrerausbildung, Schule, Eltern und Schüler sind meist überfordert im Umgang mit Teilleistungsschwächen, AD(H)S und Hochbegabung

25.09.07

Dieburg / Roßdorf /Marbach am Neckar - Auf Elterninitiative findet im Kreis Dieburg bereits die zweite Informationsveranstaltung innerhalb von zwölf Monaten statt (Familienklick.de berichtete), die sich mit den Teilleistungsschwächen (Legasthenie, Dyskalkulie), AD(H)S und der Hochbegabung beschäftigt. Am morgigen Mittwoch werden ab 16 Uhr in der Justin–Wagner–Schule in Roßdorf (zwischen Dieburg und Darmstadt) Eltern und Lehrer Vorträge hören, an Workshops teilnehmen und sich an Beratungsständen informieren können.

Bei Lerntherapeuthen, Psychologen, Schul- und Jugendamtsmitarbeitern, einer Rechtsanwältin, Heilpraktikern, Logopäden, Ergotherapeuthen, Neuropädagogen und Ärzten Hilfe und Anregungen holen, wie sie eigenen bzw. anvertrauten betroffenen Kindern besser und richtig helfen können.

Leider ist die Schule meist überfordert, wird hier doch eine spezielle Förderung gebraucht; gekürzte Lehrerstellen erlauben selten, dass Zusatzförderung in der Schule möglich ist. Die meisten Eltern suchen sich deshalb, wenn sie es finanziell leisten können, Hilfe außerhalb der Schule. Und die Messe in Roßdorf zeigt, wie groß Angebot und Nachfrage nach Beratungs- und Förderangeboten inzwischen ist. Von Elterninitiativen, über die Schul- und Jugendämter bis hin zu Therapie- und Beratungspraxen und Therapieangebote etwa auf dem Rücken von Pferden oder durch die händische Arbeit mit Ton reicht das Angebot auch im Kreis Dieburg.

Fachleute sind sich einig, dass bereits im Kindergarten manche Lernschwäche erkannt werden könnte und somit auch bereits deutlich früher als heute üblich ein Gegensteuern möglich wäre, wenn hier durch gezielte Zusatzqualifikation der Erzieher/innen zutreffende Diagnosen gestellt werden könnten. Dabei ist das Würzburger Modell mit seinen bestimmten Laut- und Silbierungsübungen eine sinnvolle und wichtige Vorbereitung auf das Lesen- und Schreibenlernen in der Schule. Manuela Elster-Nordhäußer hält dazu einen Vortrag im Saal 2.17 um 18 Uhr.

Lernbeeinträchtigungen gibt es sowohl durch Defizite als auch durch Hochbegabung. Ist ein Schüler ständig im Unterricht unterfordert, verliert er das Interesse und auch die Konzentration. Wenn er Pech hat und seine Situation nicht erkannt wird, kann er/sie irgendwann sogar den Anschluss verlieren und trotz bestehender Begabung das Schul- und/oder KlassenZiel sprichwörtlich nicht erreichen.
Anders sieht es aus bei den Teilleistungsschwächen. Deren Ursachen können als Funktionsstörungen vererbt worden sein, durch Schädigungen während der Schwangerschaft oder Geburt entstehen oder Folge ausbleibender Erfahrungen sein. Es geht um Legasthenie und Dyskalkulie (Rechenschwäche), ADS Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, AD (H)S Hyperaktivität oder LRS, der Lese-Rechtschreibschwäche.

Und hier gibt es eine engagierte Gruppe von Müttern die bei Darmstadt wiederholt diese Informationen möglich machen. Aus eigenen teilweise langwierigen Um- und Irrwegen suchten und fanden sie endlich qualifizierte Förderung, und durch die Kommunikation mit anderen Betroffenen wurde das Informationsdefizit vieler immer klarer. Dem wollen alle Beteiligten mit dieser Beratungsveranstaltung in Roßdorf jetzt erneut begegnen.

Fakt ist leider auch, dass der Politik die Mittel fehlen und deshalb auch einem vielleicht vorhandenen Willen zu helfen ganz schnell Grenzen gesetzt sind, Etats noch weiter gekürzt werden und in der Lehrerausbildung sowohl Hochbegabung als auch die AD(H)S Problematik und die verschiedenen Lernschwächen kaum vermittelt werden. So sind die Lehrer allein gelassen und oft hilflos, wenn sie in ihrem Unterricht mit solchen Schülerinnen und Schülern konfrontiert werden. Eltern finden kaum Hilfe, wissen nicht wohin sie sich wenden können und deshalb findet jetzt bereits diese zweite Informationsveranstaltung im Landkreis Dieburg am morgigen Mittwoch diesmal in der Gesamtschule Rossdorf statt.

Die Organisatoren rechnen mit 1.500 interessierten Besuchern. Darunter werden auch viele Lehrer sein; für die ist die Veranstaltung eine anerkannte Weiterbildungsmaßnahme und auch Lehrer sind heute verpflichtet, wie etwa Ärzte auch, sich ständig weiterzubilden. Und das wird nach einem Punkteschema nachvollzogen. Für den Besuch in Roßdorf bekommen Lehrer 10 dieser begehrten Weiterbildungspunkte. Der Ort hat sich mit speziell ausgewiesenen Parkplätzen für den Ansturm gerüstet.

Zusammen gekommen sind fast 50 Einrichtungen mit etwa 80 Personen, die Ihre Beratungskompetenz von 16 bis 22 Uhr in Roßdorf zur Verfügung stellen. Begrüßen werden der Schuldirekror Heinz Mainusch und die Roßdorfer Bürgermeisterin Christel Sprößler, sowie die Begründerin der Legasthenie Selbsthilfegruppen Mechthild Firnhaber. Anschließend dann Vorträge, Workshops und die Möglichkeit, sich an den einzelnen Infoständen mehr Wissen abzuholen.

Richtig ist, dass die Schulen eine Förderpflicht haben, aber ob sie immer ausreichend umgesetzt wird, ist umstritten. Auch Gerichte müssen sich immer öfter mit den versagten Wünschen betroffener Eltern beschäftigen, weil auch die Schul- und Jugendämter sich durch gekürzte Mittel außer Stande sehen, hier in ausreichendem Maße Hilfe zu leisten. Fest steht, dass Schüler, die in der Schule Förderung und Nachteilsausgleich (und/oder Notenschutz) erhalten und die von verständnisvollen Lehrern unterstützt werden, sind seltener von einer seelischen Behinderung bedroht sind.

Diese Sachlage ist auch der Politik bekannt. Statistiken über die Zahl der Schüler mit einer Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche werden immer noch nicht erhoben. Das Jugendamt Darmstadt spricht von 400 Fällen im Kreis Darmstadt-Dieburg. Eine realistische Zahl, wobei jedoch nur die Fälle erfasst werden, bei denen sich die Eltern an das Jugendamt gewandt haben. Die Dunkelziffer von betroffenen SchulerInnen mit Hochbeagung oder Teilleistungsschwächen ist weitaus höher. Hier gibt es einen erheblichen Bedarf, nicht nur an Information sondern auch an individueller Betreuung und Förderung. Das Roßdorfer Informationsangebot ist dafür gerüstet.

Die Roßdorfer Messe zu Beratungs- und Förderangeboten ist ein erfreulicher Beweis für das was machbar ist, wenn das richtige Wollen auf offene Ohren trifft. Die drei engagierte Mütter gewannen die Schulleitung, überzeugten Ämter und Gremien und so ist der Förderverein der Gesamtschule in Roßdorf Veranstalter bzw. Träger der diesjährigen Messe. Die beteiligten Berater und Förderer haben einen informativen Messekatalog mitgestaltet und ein attraktives Vortrags- und Workshop-Programm zusammengestellt. Schüler einer neunten Klasse werden als gelbe Engel den Besuchern helfen, zu finden was sie suchen.

Die Teilnehmer können anhand des ausgeteilten Messekataloges auch nach der Veranstaltung sich für sie passende Beratungs- und/oder Therapieangebote aussuchen. Vielleicht wird die Liste auch im Internet veröffentlicht. Wir von Familienklick.de werden an dem Thema auch dran bleiben und sie weiter informieren.

So kommen Sie hin
Bitte beachten: Für Messebesucher sind die Parkplätze "Riedsbachaue" am Schwimmbad und entlang der Erbacher Straße ausgewiesen, der Fußweg zur Schule beträgt rund 12 Minuten. (Der Parkplatz direkt an der Schule steht den Messe-Besuchern aus feuerschutztechnischen Gründen nicht zur Verfügung). Die Messe ist jedoch auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit den Linien 672 / 693 / K55 / K56 - Haltestelle „Darmstädter Straße“ oder „Justin-Wagner-Schule“ - zu erreichen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.jws-rossdorf.de.




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